Das $1,5 Millionen Desaster der Kreyos Smartwatch zeigt die Gefahr von crowdfinanzierter Hardware

Crowdfunding (Schwarmfinanzierung durch viele kleine, stille Beteiligungen) von technischen Geräten ist ein komplexes und riskantes Geschäft für die Investoren. Dies haben die Geldgeber der Kreyos Meteor erst kürzlich wieder schmerzlich erfahren, berichtet die US-Website Android Police.

Die Geschichte der Kreyos Meteor begann im Juli 2013 auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo. Nachdem die Macher $1,5 Millionen eingenommen – und damit ihr Kapitalziel um $1,4 Millionen überschritten hatten – machte man sich bei Kreyos an die Arbeit, die angekündigte Smartwatch herzustellen. Die ersten Geldgeber sollten ihre versprochenen Smartwatches im November 2013 erhalten, nur drei Monate nach Abschluss der Finanzierungsrunde. Nachdem der November ohne ausgelieferte Uhren abgelaufen war, wurden die ersten Geldgeber misstrauisch.

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Auch um Juli 2014 war von den Kreyos Meteor Uhren noch nichts zu sehen. Bis vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen noch überhaupt keine Smartwatch ausgeliefert. Inzwischen haben einige Investoren zwar eine intelligente Uhr von Kreyos erhalten, aber die Qualität kann als nichts anderes als unterirdisch bezeichnet werden.

Zwei der Geldgeber haben ein Manifest geschrieben, in dem sie alle Versäumnisse und gebrochenen Versprechen von Kreyos aufgelistet haben. Auch die immer feindlicher werdende Umgangsweise von Kreyos mit seinen Finanziers wird dort thematisiert. Die Vorwürfe reichen von nachträglich geänderten Geschäftsbedingungen, um Rückerstattungen der Investitionen unmöglich zu machen, bis hin zur unmöglichen Produktqualität. Doch über Qualität der Uhr können sich nur die Investoren beschweren, die ihre Uhr überhaupt schon erhalten haben. Nicht mal 5.000 Smartwatches sollen bisher ausgeliefert worden sein.

Doch auch diejenigen, die ihre Uhr erhalten haben, sind alles andere als glücklich. Die garantierte Wasserdichtheit bis 5 Meter ist nicht gegeben, selbst eine kurze Dusche zerstörte die Kreyos Meteor sofort. Hierfür versprach das Unternehmen zunächst Ersatz, da es sich um einen Produktionsfehler handeln sollte. Der integrierte Pedometer arbeitet vollkommen ungenau und er durch die Vibrationsfunktion der Uhr ständig aktiviert wird. Das macht ihn unter dem Strich nutzlos. Die versprochene Akkulaufzeit von einer Woche liegt in der Realität bei 24 Stunden.

Weitere Versprechungen wurden überhaupt nicht eingelöst. Dazu gehören die Spiele-Plattform, der Schlaf-Tracker und die Gestensteuerung. Doch das ist noch nicht alles. Nutzer können zu jeder Zeit lediglich eine App auf der Smartwatch installieren (z. B. einen Sports-Tracker). Und es kommt noch besser: Geht die Bluetooth-Verbindung zum Smartphone verloren, kann die Smartwatch nicht mal mehr zuverlässig die Zeit anzeigen.

Auch die versprochene Companion App für Windows Phone ist bisher noch nicht erschienen, genauso wenig wie das Developer SDK. Dabei wurde versprochen, die zusätzlich eingenommenen Finanzmittel in die Software-Entwicklung zu stecken.

Doch über allem thront der Umgang von Kreyos mit seinen Investoren. Die Änderung der Rückerstattungsrichtlinien der Gelder sorgt für die größte Wut. Nachdem mehrere Geldgeber nach sechs Monaten ihr Geld zurückforderten, änderte Kreyos kurzerhand die Regeln. Die neuen Richtlinien schlossen Rückerstattungen komplett aus.

Dies geschah deswegen, weil dem Unternehmen das Geld ausging. Hätte man nämlich nicht mehr genügend Geld gehabt, um die Uhren an Investoren auszuliefern, wären Gerichtsprozesse die klare Folge gewesen. Die Macher von Kreyos versuchten sich übrigens durchaus anonym zu halten. Das gelang nicht allen. Co-Gründer Steve Tan wurde identifiziert (siehe Foto). Seine Referenzliste vor Kreyos ist zwar leer, dafür fährt er einen Ferrari. Natürlich kann das Geld für den Ferrarir auch daher stammen, dass er ein Kind aus reichem Hause ist.

Die Moral von der Geschichte: Crowdfunding-Investitionen in technische Geräte sollten gut überlegt sein. Ohne transparente Darstellung der dahinter stehenden Personen, ohne realistische Zeitpläne (drei Monate sind für eine Smartwatch viel zu kurz) und ohne detaillierte Finanzpläne des Kapitalsuchenden sollte man besser die Finger davon lassen.

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