Verschläft die Uhrenbranche die Smartwatch?

Die Neue Züricher Zeitung hat in einem heute erschienen Artikel die Frage aufgeworfen, ob traditionelle Uhrenhersteller – die in vielen Fällen in der Schweiz beheimatet sind – wegen des aktuellen Hypes um Smartwatches ins Hintertreffen geraten könnten, da sie den Trend schlicht und einfach aus Arroganz verschlafen. Laut dem Bericht würden Manager von Swatch und anderen Uhrenmarken dazu neigen, Smartwatches als klobige und wenig benutzerfreundiche Geräte abzutun und insgesamt zu belächeln.

Diese Einstellung rühre nicht zuletzt daher, dass Uhren in diesen Kreisen nicht als funktionelle Gegenstände, sondern vielmehr als emotionale Accessoires betrachtet werden. So zumindest äußern sich Vertreter wie der Swatch-Group Chef Nich Hayek in öffentlichen Interviews. Intern wird man die Sache deutlich ernster nehmen.

Außerdem überraschen solche Aussagen ausgerechnet von Swatch, hatte man doch schon 2004 eine eigene Smartwatch in Zusammenarbeit mit Microsoft veröffentlicht, die ihre Nutzer mit Nachrichten, Wetterprognosen und Börsenkursen versorgte. Doch das Modell mit dem Namen Paparazzi war seiner Zeit deutlich voraus – zu deutlich. Unter Verkaufsaspekten war die Uhr dadurch natürlich ebenfalls ein Flop.

Momentan scheinen die verkauften Stückzahlen bei den Smartwatches die traditionellen Uhrenhersteller noch nicht beunruhigen zu müssen. Laut dem Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics sollen 2013 rund zwei Millionen Smartwatches verkauft worden sein. 2014 werden es aber sicherlich nicht zuletzt durch das Erscheinen der ersten intelligenten Uhren mit Android Wear wie die Samsung Gear Live, die LG G Watch, die Motorola Moto 360 und weitere sowie die am Horizont auftauchende Apple iWatch schon einige mehr werden. Richtig spannend wird es dann wohl ab 2015 werden. Gegenüber den 1,2 Milliarden konventionelle Uhren pro Jahr sind die Zahlen natürlich noch winzig, aber die Zeit tickt für die Datenuhr.

Nicht nur, dass sich die Software der Smartwatches weiter verbessern und neue Apps erscheinen werden, sondern es werden auch weitere Unternehmen auf den Smartwatch-Zug aufspringen. So hat der texanische Hersteller Fossil bereits seine Zusammenarbeit mit Google angekündigt. Außerdem bieten Smartwatches große Potentiale im Gesundheitsbereich, die von den Konsumenten zukünftig nicht ignoriert werden können. Und wenn sich die Optik auch noch weiter verbessert, zieht das emotionale Argument des Swatch-Chefs auch nicht mehr.

Viele Analysten sehen daher besonders die Zukunftsaussichten für die Schweizer Uhrenhersteller kritisch. Möglicherweise seien die aktuellen Verkaufszahlen immer noch so gut, dass man keine Aktivitäten im Smartwatch-Bereich für notwendig erachte. Viele Luxusuhren-Hersteller haben außerdem die Denke, dass Smartwatches eher im Billig-Segment Zuhause seien und somit für sie keine Relevanz hätten. Aber es sollte eigentlich klar sein, dass Smartwatches über kurz oder lang auch bei den Luxusuhren mitmischen werden. Es ist nur eine Frage der Zeit.

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2 Comments
  1. Heiner Stöckle 22. Juli 2014 Reply
  2. Ingo 23. Juli 2014 Reply

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